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Ein flüchtiger Delinquent

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Was bisher geschah: Eigentlich ganz einfach, der Tote ist bekannt, der Mörder ist bekannt, der Fall nahezu abgeschlossen. Wenn Dorothea Hetzel ,die Kommissarin aus Schweinfurt, den Täter nur finden könnte....

Schorsch der Taxifahrer, der ja eigentlich Georg Wolf hieß, hatte auf dem großen Parkplatz des Parks angehalten und war gerade dabei auszusteigen, um dieser Kommissarin zu folgen, da piepte sein Funkgerät.

„Schorsch“, meldete sich eine ihm bekannte weibliche Stimme, „bist du gerade frei?“

Eine saublöde Frage, über die Ortung konnte man jederzeit ersehen wo sich die Fahrzeuge befanden und ob sie sich bewegten.

Keine gute Idee also, auszusteigen und seinen Privatvergnügungen nachzugehen.

„Was gibt es?“

„Eine Person in der Pestalozzistraße hat ein Taxi geordert. Der hat es anscheinend eilig.“

Schorsch setzte sich wieder auf seinen angestammten Platz, schnaufte kurz aus, bevor er sein Funkgerät wieder einschaltete.

„Bin schon unterwegs!“

 

7.

 

Es war nun nicht weiter schwer den Aufenthaltsort, sprich Wohnung, des beschuldigten ausfindig zu machen. Nahm allerdings wieder etwas Zeit in Anspruch.

Der Mord geschah gegen 17:30 Uhr, cirka 18:00 Uhr waren die Beamten vor Ort, Kaspar traf gegen 18:30 am Tatort ein.

Um 19:00 Uhr hatten wir den Namen des Täters, gegen 19:30 Uhr die Wohnung und als wir schließlich und endlich das Haus in der Pestalozzistraße erreichten ,war es mittlerweile 20:30 Uhr. Das zweite Haus auf der rechten Seite gleich hinter dem mexikanischen Restaurant Los Wochos, gegenüber von „Erwins Lottoladen“.

Da standen wir nun, mit Spezialeinheit 15 Personen ,und entsicherten Waffen.

Also wenn diese Type nicht ganz blöd war und sich außerdem nicht erwischen lassen wollte, bestand kaum Hoffnung dort jemanden anzutreffen.

Humor ist, wenn mans trotzdem macht.

Da die Wohnungseigentümerin im gleichen Haus wohnte ,war es ein leichtes Einlass in die Wohnung zu bekommen. Durch eine große Eingangstüre ging es erst einmal in einen dunklen Innenhof und von dort eine enge Treppe hinauf in den ersten Stock. Alle bemühten sich recht wenig Krach zu machen, aber während zwei Beamte vorsichtig die Tür öffneten, hatte Kollege Wittig seinen Solo-Auftritt. Vor lauter Aufregung nämlich stieß er gegen eine große Terrakotta Vase die scheppernd zu Bruch ging und der ganzen Mannschaft einen gehörigen Schreck einjagte.

Der Rest ist recht schnell erzählt.

Als sich die Wohnungstüre öffnete kam uns erst einmal ein strenger Geruch entgegen, linker Hand stapelten sich Plastiksäcke und Müll, gerade eine Person konnte die Wohnung betreten.

Auch die anderen Räumlichkeiten strotzten nur so vor Abfällen.

Wie man nur so leben konnte.

Nur in der Küche hatte er einigermaßen Ordnung halten können. Auf dem Tisch stand noch eine große Tasse mit kaltem Kaffee und ein Teller mit einem Stück Mohngebäck.

Eine Befragung der Hauseigentümer ergab, dass Walter Engel seine Wohnung vor nicht allzu langer Zeit verlassen hatte. Er war in ein Taxi eingestiegen.

Toll! Das hätte man uns auch gleich mitteilen können.

So verging wieder wertvolle Zeit.

Am Ende standen wir vor dem Nichts. Waren keinen Schritt weiter.

Das Wochenende stand bevor, was uns noch weiter aufhalten würde, denn auf Engels Arbeitsstelle war wohl vor Montag niemand zu erreichen, außer der Wache…

Und in dieser zugemüllten Wohnung einen Anhaltspunkt auf Bekannte und Verwandte zu finden, bei denen er womöglich Unterschlupf finden konnte, war mehr als aussichtslos.

Ich wies Wittig an, ein paar Beamte einzuteilen, die sich sobald als möglich darum kümmern sollten, die Räumlichkeiten zu durchforsten.

Ich selbst machte mich mit Kaspar auf die nächste heiße Spur, Hadergase 30 zur Taxizentrale.

 

8.

 

Walter Engel hatte sich alles genauestens überlegt, seinen Rucksack gepackt, mit Decken, einer Thermoskanne mit Tee und diversen haltbaren Fressalien. So gerüstet konnte man das Wochenende auf jeden Fall überstehen und danach würde er weiter sehen.

Zeit zum Überlegen gab es nun genug.

Nur nicht verharren, den Verfolgern immer einen Schritt voraus sein.

Von dem Taxifahrer ließ er sich ins Schweinfurter Industriegebiet Sennfeld fahren zu dem Baumarkt Globus auf dessen Parkplatz nun niemand mehr zugegen war. Sie würden sich schon arg wundern, was ihr Hauptverdächtiger wohl in einem Industriegebiet nach der Geschäftszeit zu suchen hatte.

Nur keine Fährte legen.

Er entlohnte den Taxifahrer und lief geradewegs auf das Gebäude zu.

Bald würde hier wieder Betrieb sein, man würde nach ihm suchen, würde versuchen irgendwelche Zusammenhänge zu konstruieren. Immerhin hatte seine verstorbene Frau hier jahrelang gearbeitet und vielleicht hatte er ja noch zu irgendeiner Person Kontakt.

Doch im Moment war alles still, das Taxi fuhr davon und Walter blieb vor dem Eingangsbereich stehen.

Sie würden auf keinen Zusammenhang kommen, keinen Kontakt finden, denn dies hier war nicht sein eigentliches Ziel.

Er wollte zum Industriegelände der MAG, seinem Ex-Arbeitgeber.

Dort kannte er sich aus.

Dort hatte er 35 Jahre seines Lebens verbracht.

Dort war ein Stück Heimat.

In den verwinkelten Hallen war es ein leichtes sich zu verstecken, zumal auch ein paar der Gebäude nicht mehr aktuell in Betrieb waren.

Die Wut packte ihn.

Warum waren diese Hallen leer?

Weil die oberen Zehntausend nie genug bekamen.

Eine Milliarde Umsatz?

Geschenkt.

In China, Russland oder sonst wo ließen sich bestimmt noch ein paar Milliönchen mehr herausholen.

Mit diesen Gedanken im Gepäck machte er sich auf den Weg.

Es eilte ja nicht.

Ein unauffälliger Mann mit einem Rucksack.

Niemand nahm Notiz von ihm.

Doch es dauerte eine ganze Weile, bis er endlich das Werksgelände erreichte, mit dem Auto war ihm diese Strecke immer wie ein Katzensprung vorgekommen.

Er vermied es vom Eingang her gesehen zu werden, registrierte aber, dass zwei vom Wachpersonal anwesend waren, die sich angeregt über das bevorstehende Fußballspiel unterhielten. Niemand hätte ja auch ahnen können, dass gerade jetzt, wo sich noch Schichtarbeiter auf dem Betriebsgelände befanden, sich jemand unberechtigterweise Zugang verschaffen wollte.

Er begab sich zu dem Drehtor bei dem großen Werksparkplatz, welches vom Haupteingang nicht einsehbar war.

Die Uhr zeigte auf 21:00 Uhr.

In ungefähr einer halben Stunde würden die Schichtarbeiter zur dritten Schicht eintreffen.

Er hatte zwar seinen Werksausweis abgeben müssen, doch er war sich sicher, dass ihn einer der Kollegen mit einlassen würde, wenn er nur glaubwürdig genug versichern konnte, dass er den seinen nur vergessen hatte.

Der Rest war ein Kinderspiel.

Fortsetzung folgt...

Das Wochenende ein einziger Reinfall. Wir sind dann Freitag abends noch nach dem Hinweis von Schorsch dem Taxifahrer ins Industriegebiet gefahren zum dortigen Globusmarkt. Dort hatte vor einiger Zeit die verstorbene Frau von Walter Engel gearbeitet. Doch nichts. Kein Hinweis, keine Spur deutete auf den Aufenthalt unseres Delinquenten hin.

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