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Sorglos

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DER Schweiß meiner Hand hinterließ eine graue Spur auf der hellen Wand.
»Komm näher«, stöhnte Jasper und zog mich zu sich herunter.
Ich tat, was er wollte, und glitt noch tiefer. Er streichelte mit seinen Händen über meinen nackten Rücken, über meine Schenkel und meine Hüften. Dabei küsste er gierig meine Brüste. Sein Atem strich heiß und lustvoll über meine Haut. Er hatte die Augen geschlossen, seine Wimpern waren feucht vom Schweiß.
»Ja, ja«, keuchte er. »Ja, Baby, ja!« Er stöhnte lauter und schneller, je näher er dem Höhepunkt kam.
Ich zog seinen Kopf an mich heran. Seine Nase berührte die zarte Haut, die sich zwischen meinen Brüsten spannte. Seine Lippen fanden meinen Bauch, während ich vergeblich versuchte, Jaspers Rhythmus zu folgen.
»Ah!«, schrie er auf, während ich an seinem Pulsieren spürte, dass er den Gipfel erklommen hatte.
»O ja«, stöhnte er, wobei seine Worte über meine Haut flogen, warm und weich wie Federn. Danach sackte er zusammen. »Das war das vierte Zimmer«, murmelte er und legte sich auf den Rücken. Die Arme streckte er auf dem Boden aus, als würde er einen Schneeengel malen wollen.
»Ja, das letzte«, erwiderte ich und stieg erschöpft von ihm herunter, um mich neben ihn zu setzen. »Zum Glück hat das Haus nur vier. Mehr würde ich heute nicht schaffen«, gab ich zu.
»Ich auch nicht«, lachte Jasper müde. »Was für ein Tag! Ich weiß nicht, wer diese Tradition erfunden hat, dass Pärchen jedes Zimmer ihres neuen Hauses mit Sex einweihen müssen. Derjenige war wahnsinnig. Oder er hat Drogen genommen.«
»Ich weiß nicht, ob es wirklich eine Tradition ist. Vielleicht hat dir das nur jemand erzählt, dessen Libido zu stark war.«
»Nein, das machen alle.«
»Na gut, wenn es alle machen, müssen wir es auch tun.«
»Wie haben sie das früher in Schlössern mit über hundert Zimmern ge--du hast die Tapete zerkratzt!«, rief Jasper plötzlich empört. »Die war neu!«
Ich blickte zu der Stelle, die Jasper anstarrte. Dort hing wirklich ein schmaler Fetzen Tapete nach unten. Das war wohl mein Nagel gewesen. Daneben hatten meine Finger dunkle Schweißspuren auf dem sonnigen Gelb hinterlassen.
»Dann stellen wir dort eben einen Schrank hin«, sagte ich und zuckte mit den Achseln. »Halb so wild.«
»Ja, halb so wild«, knurrte Jasper. »Du hast die Wand ja nicht gestrichen.«
»Ich habe dafür den Umzug organisiert«, erwiderte ich, fast ein wenig eingeschnappt. Jasper vergaß leicht meine Arbeit. »Das war auch anstrengend.«
»Hoffentlich kommen morgen die Möbel pünktlich«, sagte Jasper, immer noch gereizt wegen der zerstörten Tapete.
»Das wäre wünschenswert. Ich würde gerne morgen schon richtig einziehen. Das Leben aus Kisten und Koffern ist nicht wirklich angenehm.«
»Im Übrigen sollten wir für weiche Teppiche sorgen. Der Boden hier ist echt hart«, meinte Jasper und erhob sich mit einem leisen Ächzen. »Da meldet sich die Bandscheibe.«
»Der Fußboden ist ja auch für Füße gedacht, wie der Name schon sagt. Nicht für Rücken, sonst hieße er ja Rückenboden.«
Jasper warf mir einen ironischen Blick zu, der besagen sollte, dass ich mich bloß nicht für oberschlau halten sollte. »Und was machst du, wenn du mal aus dem Bett fällst, weil wir es zu wild treiben? Dann schreist du vor Schmerzen.«
»Also gut, weiche Teppiche«, lenkte ich ein.
Jasper ging, nackt wie er war, ins Badezimmer. Er war schlank, fast dünn. Seine dunkelblonden Haare waren verwuschelt, das war mein Werk. Normalerweise trug er sie glatt in einem Seitenscheitel. In dieser Beziehung war er eigen. Aber beim Sex durfte ich in sein Haar greifen, dann war er zu erregt, um sich zu wehren.
Ich erhob mich ebenfalls. Der Fußboden war wirklich zu hart.
»Wir brauchen auch unbedingt Vorhänge«, rief ich Jasper zu, der im Badezimmer das Wasser der Dusche angestellt hatte.
»Ja, ganz sicher«, rief er zurück. »Darum kümmerst du dich! Das ist Frauensache!«
»Ja, ja, Frauensache«, murmelte ich und ging zum Fenster. Ich wich jedoch schnell zurück. Denn auf dem Nachbargrundstück – ein großes Grundstück mit einem riesigen, parkähnlichen Garten und einer Villa darauf – befand sich ein Mann. Er trug eine Jeans, sonst nichts, und lehnte an einem Pfosten am Pool. Er telefonierte. Er sah unverschämt gut aus. Sein dunkles Haar war wellig und wirkte etwas durcheinander, – genau wie Jasper sein Haar niemals freiwillig tragen würde. Der Mann hatte einen durchtrainierten Oberköper, muskulöse Arme und schmale Hüften. Er sah aus wie ein Model, oder vielleicht sogar noch besser als ein Model – er wirkte männlich und unglaublich sexy.
Ich beobachtete, wie er das Telefon zuklappte und auf einen Tisch legte. Dann zog er seine Hose aus und stieg in den Pool. Ich hielt die Luft an. Er war splitterfasernackt und schwamm, als gäbe es keine neugierige Nachbarin. Er bewegte sich im Wasser wie ein Profi, es sah großartig aus.

»Das war er also«, unterbricht mich Morales. Er ist klein und etwas rundlich. Seine buschigen Augenbrauen erinnern an eine Dornenhecke, seine Nase ist knollig und von roten Äderchen durchzogen. Er mustert mich aus kühlen, schwarzen Augen.
»Ja, das war er.«
»Wissen Sie, mit wem er telefoniert hat?«, will er wissen.
»Nein, das weiß ich nicht. Er hat nicht so laut gesprochen, dass ich etwas hätte verstehen können.«
»Was geschah danach?«
»Er schwamm ein paar Runden, dann stieg er aus dem Pool, trocknete sich ab und ging, nackt wie er war, ins Haus.«
»Und dann?«
»Dann war nichts Bedeutendes. Ich habe mit Jasper--.«
»Ich meine Chad«, unterbricht mich Morales. »Wann haben Sie ihn wiedergesehen?«


ICH traf den Mann am nächsten Tag auf der Straße. Es war eine völlig zufällige Begegnung. Die Möbel waren tatsächlich gekommen. Jasper und ich hatten den ganzen Tag geräumt und Kisten ausgepackt. Ich brachte Verpackungsmaterial zur Mülltonne, die neben dem Gartentor stand. Ich sah aus, als wäre ich gerade aus der Mülltonne gestiegen, und nicht, als würde ich etwas darin unterbringen wollen. Ich war über und über von Staub bedeckt, Klebestreifen hatten sich in meinem Haar verfangen, meine rechte Hand war blutig, weil ich mich an einem Karton verletzt hatte. In diesem Moment kam er mit seinem Auto angefahren. Ein schwarzer Mercedes, neuestes Baujahr. Er hielt vor dem Tor seines Hauses und stieg aus. Er fuhr den Wagen nicht in die Einfahrt, sondern ließ ihn auf der Straße stehen, als wolle er gleich wieder wegfahren. Er trug einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd, dazu dunkle Lederschuhe. Er sah lässig, klug und intelligent aus. Ein Geschäftsmann wie er im Buche steht. Und dazu noch umwerfend sexy. Eine äußerst verführerische Kombination.
Ich wäre am liebsten hinter die Mülltonne gekrochen, damit er mich in meinem Zustand nicht bemerkte, aber er hatte mich sofort entdeckt.
»Brauchen Sie Hilfe?«, fragte er mit einem hilfsbereiten Lächeln. Es wirkte so freundlich und offen, als würde er jeden Tag völlig verdreckten Frauen anbieten, ihren Müll wegzubringen.
»Nein, danke, das schaffe ich schon alleine«, erwiderte ich betont salopp und schwang den Deckel der Mülltonne auf. Dabei benutzte ich leider, aus der Verlegenheit heraus, viel zu viel Kraft, mit dem Erfolg, dass die leere Tonne zu viel Schwung bekam und nach hinten kippte. Sie wackelte gefährlich, als wolle sie das Gleichgewicht verlieren. Ich eilte hastig zur anderen Seite, um sie aufzufangen. Dafür musste ich jedoch das Verpackungsmaterial fallen lassen, das ich in der Hand hielt. Als wäre das nicht schlimm genug, blieb ich mit einem Klebestreifen am Zaun hängen, so dass ich zu spät zur Tonne kam. Sie fiel. Ihr Inhalt ergoss sich nicht nur auf das Rosenbeet, sondern auch auf meine Hose und meine Schuhe.
»Scheiße«, sagte ich laut genug, damit jeder im Umkreis von fünf Meilen es hören konnte. Der Nachbar in seinem schicken Anzug vernahm es auf jeden Fall. Jasper hingegen nicht. Mein Freund war im Haus mit dem Aufbau eines Schranks beschäftigt, was seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Ich bückte mich, um den ganzen Dreck aufzuheben. Auf einmal war der Nachbar neben mir. Er war zu mir geeilt und half mir, den Müll und das Verpackungsmaterial aufzusammeln.
»Sie sollten sich mehrere Tonnen anschaffen und besser trennen«, sagte er auf einmal und hielt eine leere Bierflasche hoch. »Die gehört hier nicht hinein.«
»Danke für die Belehrung«, erwiderte ich gereizt. Das musste er mir in dieser Situation nicht unbedingt unter die Nase reiben.
Er lächelte. »So war es nicht gemeint. Aber es gibt Leute, die ihre Nachbarn verpetzen, wenn der Müll nicht richtig entsorgt wird.«

»Das hat er wirklich gesagt?«, fragt Morales dazwischen. Seine kleinen schwarzen Augen sind zu Schlitzen zusammengekniffen. Die Augenbrauen überwuchern sie fast. Er erinnert ein wenig an ein Wildschwein.
»Ja, das hat er gesagt«, bestätige ich.
»Er ist unglaublich dreist. Aber erzählen Sie weiter«, fordert Morales mich kopfschüttelnd auf.

Fortsetzung folgt...

Wir räumten zusammen alles Verschüttete zurück in die Mülltonne, wobei ich die Gelegenheit bekam, die Hände meines Nachbarn zu sehen. Sie waren groß und schlank, vollkommen und makellos ...

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